Diskussion über den Tisa-Brunnen

Wegen der Pflasterung des Marktplatzes musste im Januar der Tisa-Brunnen auf dem Dorstener Markt abgebaut werden. Was an dieser Stelle wieder aufgebaut werden soll, darüber wird in Dorsten engagiert diskutiert. Auch der Bergbauverein beteiligt sich an dieser Diskussion. Seine Position: Natürlich muss auf den Marktplatz eine Replik dieses Brunnens, den 1961 die Dorstener Ehrenbürgerin Tisa von der Schulenburg (Schwester Paula) geschaffen hat.

Das ist der Brief, den der Vorstand des Bergbauvereins in Sachen Tisa-Brunnen an den Bürgermeister Tobias Stockhoff und den Stadtbaurat Holger Lohse geschickt hat:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
Sehr geehrter Herr Stadtbaurat,

den Ratsbeschluss vom 24. Juni 2020 zum Thema „Tisa-Brunnen“ hat der Vorstand des Vereins für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte Dorsten e.V. als Einladung an die Bürgerschaft verstanden, sich in die Diskussion um die Zukunft eines Tisa-Brunnens einzubringen. Vor dem Hintergrund, dass der Bergbau und ganz besonders die Menschen im Bergbau das künstlerische und soziale Lebenswerk der Dorstener Ehrenbürgerin Schwester Paula entscheidend geprägt haben, wollen wir gerne versuchen, einen Beitrag zu leisten:

Der mit der neuen Pflasterung des Marktplatzes begründete Abbau des Brunnens im Januar dieses Jahres hat Fakten geschaffen. Den Tisa-Brunnen wird es wie gehabt auf dem Markt nicht mehr geben.

Den Beschluss des Rates, die von Schwester Paula geschaffenen Reliefplatten zu sichern und dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich auszustellen, halten wir für richtig. Eine solche Ausstellung sollte aber unbedingt nah zum ehemaligen Standort des Brunnens installiert werden; also beispielsweise im oder am alten Rathaus am Markt, im oder am Kloster der Ursulinen oder auch im bisher schmucklosen Seiteneingang der Agatha-Kirche zur Recklinghäuser Straße. Ein anderer Standort als die Stadtmitte, für die der Tisa-Brunnen geschaffen wurde, ist u.E. für eine solche Ausstellung nicht vorstellbar.

Soll – und wenn ja wie  – der Tisa-Brunnen ersetzt werden? Dazu sagt der Ratsbeschluss:

„Im Bereich des bisherigen Brunnens soll ein aus bauphysikalischen Gründen notwendiger Nachfolgebrunnen errichtet werden. Dem Rat der Stadt Dorsten ist dabei wichtig, dass ein zukünftiger Brunnen wie in der Vergangenheit auch eine Wertschätzung für das Wirken von Tisa in unserer Stadt zum Ausdruck bringt. Der Nachfolgebrunnen soll das Wirken von Tisa, z. B. unter Verwendung von Repliken bzw. Kopien der bisherigen Reliefplatten oder von anderen Werken (z. B. Tisas Gedenksäule an die Widerstandskämpfer Geschwister Scholl), aufgreifen.

Nach Ansicht des Bergbauvereins muss man nicht in der Bauphysik nach Gründen für die Notwendigkeit eines Nachfolgebrunnens suchen, sondern es reicht, sich auf die Texte zu konzentrieren, in denen sich Schwester Paula Anfang der 1960-er Jahre und auch später noch zu diesem Brunnen und ihrem damit verbundenen Anliegen ausführlich geäußert hat. Diese Texte sind sicher hilfreicher als der Beitrag von Frau Schröder von 1983, der im Beirat für Kunst im öffentlichen Raum, im Umwelt- und Planungsausschuss und dann auch im Rat eine wesentliche Entscheidungsgrundlage war. Anders als von Frau Schröder behauptet, hat Schwester Paula nämlich nicht Reliefplatten für einen Brunnen geschaffen, sondern in mehreren Texten nachlesbar ausdrücklich einen Brunnen als Gesamtkunstwerk für den Dorstener Markt. Der von der Verwaltung in seinen Vorlagen sicher nicht zufällig verwendete Schröder-Text steht also im krassen Widerspruch zu den Aussagen von Schwester Paula.

Natürlich muss ein Nachfolgebrunnen installiert werden, aber sicher kein Brunnen, der als eine Art Collage verschiedene Arbeiten von Schwester Paula spiegeln würde, sondern ein Nachfolgebrunnen als Replik dessen, was von Schwester Paula vor knapp 60 Jahren auf den Markt gesetzt wurde. Replik muss nicht 1:1 Nachbau mit Beton/Zement bedeuten, Replik kann auch bedeuten, von den gesicherten Reliefplatten Bronzen machen zu lassen. Nahe der Hamborner Abteikirche steht ein Brunnen – sehr ähnlich dem Dorstener Tisa-Brunnen – für den Schwester Paula die Reliefplatten als Bronzen gestaltet hat.

In der bisherigen Diskussion über einen künftigen Tisa-Brunnen (Replik) war von der Verwaltung auch das künftige Tisa-Archiv auf dem Areal der ehemaligen Zeche Fürst Leopold als Option genannt worden. Der Bergbauverein hält diesen Standort aus mehreren Gründen für ungeeignet. Natürlich war Schwester Paula sehr eng mit der Zeche und den hier arbeitenden Bergleuten verbunden, das belegen die beiden eindrucksvollen Wandbilder in der ehemaligen Lohnhalle und der Gedenkstein an die Mahnwache 1996/1997 vor den Torhäusern an der Halterner Straße. Aber der Tisa-Brunnen wurde als Erzähl- und Gedenkbrunnen zugleich ausdrücklich für den Marktplatz geschaffen. Ihn nach 60 Jahren an einen Standort quasi „abzuschieben“, der als Reservestandort der RAG-Wasserhaltung auch künftig unter Bergrecht stehen wird und deshalb eingezäunt bleiben muss, das könnte – da stimmt der Bergbauverein Lambert Lütkenhorst als Vorsitzendem der Tia von der Schulenburg-Stiftung nachdrücklich zu – tatsächlich nur eine Notlösung sein. Eine denkbar schlechte Lösung, die sicher nicht von besonderem Respekt für die Dorstener Ehrenbürgerin geprägt wäre. Aus gleichen Gründen scheidet das Tisa-Archiv natürlich auch als Ausstellungsort für die Reliefplatten des abgebauten Brunnens aus.

Wie kann die Diskussion um den Tisa-Brunnen fortgesetzt werden? Dazu sagt der Ratsbeschluss vom 24. Juni: „Die Bürgerschaft und der Beirat für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Dorsten sind neben den bisherigen Förderern sowie Beteiligten (Sparkasse Vest in Dorsten, IPE, Tisa-Stiftung, Konvent St. Ursula, …) sowohl bei der Ideenfindung und Diskussion bei der Auswahl des Standortes für die Reliefplatten als auch der Konzeption des Nachfolgebrunnens auf dem Marktplatz durch geeignete Beteiligungsformate einzubinden.“

Mit Ratsbeschluss vom Oktober 2018 wurde ein „Beirat für Kunst im öffentlichen Raum“ gebildet, dem die Aufgabe übertragen wurde, „im Rahmen des Stadterneuerungsprozesses „Wir machen MITte“ über die Aufwertung öffentlicher Räume durch Ausstattung mit Kunstgegenständen zu entscheiden.“ Der Rat der Stadt erklärte zwar bei Einrichtung dieses Gremiums, das nach der Gemeindeordnung NRW gar nicht vorgesehen ist, die grundsätzliche Zuständigkeit u.a. des Kulturausschusses bleibe unberührt, tatsächlich stand das Thema Tisa-Brunnen aber bisher nicht im Kulturausschuss auf der Tagesordnung. Anders als der Beirat unterliegt der Kulturausschuss der Geschäftsordnung des Rates, die u.a. verbindlich regelt, welche Themen öffentlich oder auch nichtöffentlich zu behandeln sind. Der Tisa-Brunnen ist sicher kein Thema, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert werden muss.

Wenn es dem Rat wirklich darum geht, die Bürgerschaft in die Entscheidung um den Tisa-Brunnen einzubinden, ist Transparenz eine wichtige Voraussetzung für eine letztlich einvernehmliche Entscheidung. Diese Transparenz wäre gewährleistet, wenn dem Kulturausschuss die Federführung für die weitere Behandlung des Themas übertragen würde. Er könnte ein Hearing veranstalten, zu dem dann z.B. auch die beiden Dorstener Kunstvereine und der Dorstener Heimatbund eingeladen werden sollten – es fehlt in Dorsten sicher nicht an Expertise. Und natürlich ist der Bergbauverein gerne bereit, sich an einem solchen Hearing wie überhaupt an der weiteren Diskussion zu beteiligen.

Mit einem freundlichen Glückauf
Für den Vorstand

Gerhard Schute
(Vorsitzender)

Die schnelle Antwort aus dem Rathaus:

Sehr geehrter Herr Schute, lieber Gerd,
sehr geehrte Mitglieder der Bergbauvereins,

herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 29.07.2020 zum Thema „Tisa-Brunnen“, welches ich an den zuständigen Dezernenten Holger Lohse weitergeleitet habe. Wir freuen uns, dass auch der Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte (Bergbauverein) an der Bürgerbeteiligung zum Tisa-Brunnen mitwirken möchte und bereits konkrete Ideen entwickelt hat.

Der Rat der Stadt Dorsten hat bekanntlich einstimmig – was das Aufstellen eines neuen/alten Tisa-Brunnen anbetrifft – eine Befragung der Bürgerschaft beschlossen. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich hier der Bergbauverein mit Argumenten und Ideen in die Diskussion und spätere Befragung einbringen wird. An der öffentlichen Befragung der Bürgerschaft soll jede(r) (interessierte) Dorstener(in) teilnehmen können. Das sichert die größtmögliche Transparenz zu.

Unmittelbar nach den Ferien soll mit den Ratsfraktionen ein Format für eine öffentliche „Befragung der Bürgerschaft“ abgestimmt werden. Ferner freuen wir uns, dass die Firma Voßbeck-Elsebusch Replikate/Duplikate von zwei Reliefplatten anfertigen wird. Diese Reliefplatten sind aus unserer Sicht wichtig für die anstehende Beratung. Gerne nehmen wir den Bergbauverein in einen Einladungsverteiler für die Befragung der Bürgerschaft auf.

Bezüglich der Originalplatten wird es gemäß Ratsbeschluss eine weitere Bürgerbeteiligung geben. Ihre Anregungen bilden dazu sicherlich einen wichtigen Baustein für ein geeignetes Format, um alle interessierte Bürgerinnen und Bürger bzw. Gruppen und Vereine einzubinden.

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Stockhoff
Bürgermeister

Artikel der Dorstener Zeitung zum Thema:

Corona-Masken im Bergbau-Look

Jetzt hat auch der Dorstener Bergbauverein eine eigene Corona-Schutzmaske, genäht aus dem Originalstoff der Grubenhemden. Produziert wurden diese Masken in Zusammenarbeit mit Philipp Schürholz (linea naturale Textildesign GmbH). „Eine schöne Idee“, meinte Philipp Schürholz und machte dem Verein ein so günstiges Angebot, dass diese Masken jetzt zum Stückpreis von 3,50 € an die Besucher der Maschinenhalle abgegeben werden können.

„An den drei Sonntagen seit Wiedereröffnung der Halle und bei den standesamtlichen Trauungen kommt es leider immer wieder vor, dass jemand ohne Schutzmaske in die Halle möchte, also ist es schön, dass wir jetzt niemanden mehr abweisen müssen“, freut man sich im Bergbauverein.

Kaufen kann man diese Maske zu den „Corona-Öffnungszeiten“ sonntags von 13 bis 17 Uhr im Foyer der Maschinenhalle und das dann auch gleich mit einem Besuch der Fotoausstellung von Peter Koerber verbinden. Und natürlich wird sonntags auch die Dampfmaschine in Bewegung vorgeführt – für alle Besucher/innen mit einer Schutzmaske.

Die Maschinenhalle ist jeden Sonntag von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet

Jeden Sonntag von 13 Uhr bis 17 Uhr ist der Besuch des Industriedenkmals Maschinenhalle Fürst Leopold wieder ein attraktives Ziel für den Sonntagsspaziergang. 

Natürlich erfordert die längst nicht bewältigte Pandemie besondere Maßnahmen. Also gilt für den Besuch der Maschinenhalle die Pflicht, eine Schutzmaske zu tragen und alle Besucher – zeitgleich maximal 30 Personen – werden gebeten, sich beim Eintritt in die Halle zunächst die Hände zu desinfizieren und dann in eine Gästeliste einzutragen, damit für den Fall der Fälle vom Gesundheitsamt Infektionsketten recherchiert werden können.

In der Maschinenhalle gilt das Abstandsgebot 1,50 Meter Distanz zu anderen Besuchern und um das problemlos zu ermöglichen, kann man die verschiedenen Ausstellungen in einem Rundgang besichtigen, um so Begegnungen an engeren Stellen zu verhindern. Also wird auch ein vom Eingang getrennter Ausgang eingerichtet. Eine deutlich verstärkte Aufsicht durch den Bergbauverein, Beschilderungen und Aufkleber sollen helfen, sich problemlos zurechtzufinden.

Das sind die Ausstellungen, die zu besichtigen sind. Im Foyer die Fotos des Industriefotografen Peter Koerber „ Fürst Leopold aktiv“ – Bilder aus den Jahren 2000 und 2001 als in Hervest noch Kohle gefördert wurde. In der „schwarzen“ und in der „grünen“ Maschinenhalle die Fotoausstellung „Meine Bilder“ ebenfalls von Peter Koerber, außerdem in der „grünen“ Halle die Plakatausstellung „Schicht auf Fürst Leopold“ – 14 großformatig reproduzierte Seiten aus der Dorstener Zeitung vom Arbeiten unter Tage. Erstellt wurden diese Seiten mit Bildern, die ehemalige Kumpel von Fürst Leopold zur Verfügung gestellt haben. Auch die interaktive Dauerausstellung Leopold-Regal kann besichtigt und benutzt werden, der Touchscreen am Computer wird regelmäßig desinfiziert.

Die sonst am ersten bzw. dritten Sonntag im Monat üblichen offenen Führungen durch die Kolonie Fürst Leopold bzw. über die ehemalige Zeche bleiben ausgesetzt und auch in der Maschinenhalle finden keine Führungen statt, aber: Die historische Dampfmaschine von 1912 wird mit kurzen technischen Erklärungen in Bewegung vorgeführt. Aufkleber am Boden, mit denen die Bereiche markiert sind, wo bei standesamtlichen Trauungen in der Halle die Hochzeitsgäste sitzen dürfen, helfen dabei, auch beim Maschinenlauf das Abstandsgebot einzuhalten.

Das „Trostpflaster“ für die Einschränkungen, die dem gegenseitigen Schutz dienen sollen: Der Bergbauverein verzichtet auf ein Eintrittsgeld, was aber zugleich eine freundliche Einladung ist, das im Foyer stehende Sparschwein zu füttern.

„Kunst und Kultur brauchen wir Menschen wie die Luft zum Atmen“

Sieben Wochen später als geplant startete am Sonntag der Bergbauverein in die Hallensaison 2020, sprich: Das Industriedenkmal Maschinenhalle Fürst Leopold ist ab sofort wieder sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Und der rege Andrang am Sonntag zeigte, dass es höchste Zeit war, aus der Corona-Schockstarre Schritt für Schritt zurückzufinden „in eine neue Normalität“, wie es Bürgermeister Tobias Stockhoff formulierte.

Er war am Premieren-Sonntag einer der ersten Besucher und postete später auf seiner Facebook-Seite unter dem Foto zu diesem Text: „Kunst und Kultur haben unter den aktuellen Bedingungen große Herausforderungen zu stemmen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass heute in der Maschinenhalle Peter Koerber eine wundervolle Ausstellung eröffnet hat, denn Kunst und Kultur brauchen wir Menschen nicht nur langfristig wie die Luft zum Atmen – wenn auch gerade durch einen Mund-Nasen-Schutz.“

Die Ausstellung „Meine Bilder“ von Peter Koerber (77) war natürlich das Highlight am Eröffnungs-Sonntag. Der gelernte und studierte Industriefotograf zeigt in der Maschinenhalle einen räumlich bedingt natürlich nur kleinen Querschnitt dessen, was er während eines langen Berufslebens, das ihn über alle Kontinente hat reisen lassen, mit seinen Kameras „gesammelt“ hat. New York, Irland und Dorsten – die Welt ist groß und schön. 

Das Corona-Konzept des Bergbauvereins bestand an diesem Sonntag den Praxistest mit Bravour. Maskenpflicht, Hände desinfizieren, Abstandsgebot – für die Besucher nach den Erfahrungen im Einzelhandel alles längst gelebter Alltag und jetzt beim Besuch im Industriedenkmal kein Problem.

Und auch der als „Trostpflaster“ für die Corona-Einschränkungen geübte Verzicht auf das Eintrittsgeld kam gut an: Das ersatzweise aufgestellte Sparschwein klimperte bei Schließung der Maschinenhalle am Spätnachmittag nur noch gedämpft, so viel Papiergeld war „verfüttert“ worden.

Trauung in Corona-Zeiten

Das Brautpaar Magali Schütter und Marco Bellmann strahlte – trotz Corona

„Auf diesen Tag haben wir uns lange gefreut und den lassen wir uns von einem Virus nicht kaputtmachen“ – also entschieden sich Magali Schütter und Marco Bellmann, am Plan, sich am 4. April um 14 Uhr in der Maschinenhalle das Jawort zu geben, unbedingt festzuhalten. Und so wurde die 255. Trauung im Industriedenkmal zur bisher und für alle Zeiten kleinsten Trauung, denn das Brautpaar und der Standesbeamte blieben entsprechend den strengen Auflagen des Kontaktverbotes unter sich.

„Das war natürlich eine sehr ungewöhnliche Trauung“, meinte später Gerhard Schute, Standesbeamter bei dieser Trauung und Vorsitzender des Bergbauvereins, „aber es war auch eine sehr intensive und vielleicht gerade deshalb eine besonders schöne Trauung, weil vor mir ein Brautpaar saß, dem das Füreinander an diesem Tag wichtiger war als eine tolle Trauzeremonie mit Familien, Freunden und Bekannten.

Ungewöhnlich wie die Trauung war dann auch die Hochzeitsfeier später am Nachmittag. Not macht erfinderisch: Das frischvermählte Paar grillte auf dem Balkon und vom Garten aus gratulierten bei schönster Frühlingssonne Verwandte und Freunde, Nachbarn und Bekannte – brav immer nur zu zweit. Die große Feier mit allem, was dazugehört, soll dann im April 2021 nachgeholt werden.

Dem Standesamt der Stadt Dorsten wie dem Bergbauverein bescheren die Auflagen gegen ein zu schnelles Ausbreiten der Corona-Pandemie einige Mehrarbeit. Viele Paare, die für die nähere Zukunft ihre Eheschließung angemeldet hatten, fragen nach Ersatzterminen, wobei keiner weiß, welche Auflagen wie lange noch beachtet werden müssen. Und die immer besonders gefragten Samstags-Termine sind ja auch nicht beliebig vermehrbar. „Wir tun, was wir können, um unbürokratisch zu helfen“, verspricht im Rathaus die für das Standesamt zuständige Abteilungsleiterin Monika Heisterklaus und so hält es auch der Bergbauverein.

Wann Magali und Marco die geplante Hochzeitsreise antreten können, steht noch in den Sternen. Aber am Ziel werden sie auf jeden Fall festhalten. Sie wollen nach Scharbeutz an die Ostsee. Wieso Scharbeutz? Vor 20 Jahren war der Nachbarstrand von Timmendorf ein herrlicher Spielplatz für zwei sechste Klassen des St. Ursula-Gymnasiums…

ExtraSchicht 2020 abgesagt

Vor wenigen Stunden ist die Entscheidung gefallen: Die für den 27. Juni 2020 geplante ExtraSchicht findet nicht statt. Nach den gestrigen Beschlüssen von Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten – u.a. hatte man sich auf ein Verbot von Großveranstaltungen bis einschl. 31. August verständigt – ist die Absage zwar keine Überraschung mehr, trotzdem aber schmerzlich.

Seit 2001 wird im Ruhrgebiet die „Lange Nacht der Industriekultur“ gefeiert. Kultur in ihrer ganzen Breite in den Kulissen ehemaliger Industrie, Schwerpunkt Montan-Industrie. Rund 30.000 Besucher erlebten damals die Premiere. Von Jahr zu Jahr ist die ExtraSchicht gewachsen, längst ist sie das jährliche Kulturereignis im Ruhrgebiet und sie war dann natürlich auch ein bedeutsamerer Baustein der erfolgreichen Bewerbung „Kulturhauptstadt 2010“.

Mit rund 2.000 Künstlern sollte die ExtraSchicht 2020 an über 50 Spielorten gefeiert werden, natürlich auch auf Fürst Leopold, dort natürlich auch im Industriedenkmal Maschinenhalle.

Es fällt nicht leicht, den absoluten Höhepunkt der Saison aus dem Kalender zu streichen. Muss aber sein, die Gesundheit ist wichtiger.
Das kleine Trostpflaster: ExtraSchicht 2021 am 26. Juni – Termin notiert!

Kulturerbe in NRW: Das Steigerlied und die Trinkhalle

Das Steigerlied und das Büdchen – Traditionen, die besonders aus dem Ruhrgebiet gar nicht wegzudenken sind. Seit gestern gehören sie nun ganz offiziell zum Landesinventar von NRW, bedeutet: Das Steigerlied und die Trinkhalle gehören zum immateriellen Kulturerbe dieses Landes.

18 Bewerbungen gab es, aber die hochkarätig besetzte Jury hat sich so entschieden, weil:

Steigerlied:
„Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“ – selbst nach dem Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland hat das Steigerlied, das zu vielfältigen Anlässen gesungen wird, seine identitätsstiftende Kraft nicht eingebüßt. Der von einer eingängigen Melodie begleitete Text spiegelt die Lebenswelt der Bergleute wider und zeugt von Schaffenskraft, Solidarität und Optimismus.

Trinkhallenkultur im Ruhrgebiet:
Auch bei der Trinkhallenkultur im Ruhrgebiet spielt der soziale Zusammenhalt eine zentrale Rolle: Trinkhallen nehmen als typische Treffpunkte eine wichtige Funktion für die Nachbarschaft ein und stellen Orte der Integration und des Austausches dar.

Diese beiden Empfehlungen der Jury wurden jetzt von Kultur- und Wissenschaftsministerin
Isabel Pfeiffer-Poensgen bestätigt. Zwölf Einträge hat jetzt das so genannte Landesinventar, darunter u.a. der Rheinische Karneval, das Schützenwesen und die Bolzplatzkultur.

Ein schönes „Weihnachtsgeschenk“

Ob halbtrocken, trocken oder rosé – der exklusiv von Ralf Honsel in seinen Edeka-Märkten und bei Trinkgut angebotene Sekt „Fürst Leopold“ kommt bei den Verbrauchern bestens an. Und darüber freut sich auch der Bergbauverein, denn als er diesen Sekt vor knapp zwei Jahren in sein Sortiment aufgenommen hat, entschied sich Ralf Honsel, für jede verkaufte Flasche quasi als private „Sektsteuer“ eine kleine Spende an den Bergbauverein zu überweisen. Jetzt durfte Jürgen Robbert, stellvertretender Vorsitzender des Bergbauvereins, von Julia Honsel wieder einen stattlichen Spendenscheck entgegennehmen: 503,60 € – ein dickes Dankeschön vom Verein für diese Unterstützung. Beim Bergbauverein, genauer in der Maschinenhalle, wird wohl der meiste Fürst Leopold-Sekt in Dorsten getrunken, denn natürlich wird beim kleinen Sektempfang nach den standesamtlichen Trauungen mit „Fürst Leopold“ angestoßen.

Fördergerüst Fürst Leopold Schacht 2 – bald im neuen Look

Zweimal haben Herbststürme die weiße „Verpackung“ kräftig beschädigt, aber den zügigen Fortgang der Restaurierungsarbeiten am historischen Schachtgerüst hat das nicht aufhalten können. Spätestens zum Saisonstart 2020 wird die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur den Förderturm im neuen Look präsentieren – telegrau statt grün wird dann das knapp 40 Meter hohe Dorstener Wahrzeichen dauerhaft an knapp 100 Jahre Bergbau in Dorsten erinnern.

Die 250. Trauung in der Maschinenhalle

Seit Mitte 2015 ist die Maschinenhalle als externer Trauort des Dorstener Standesamtes gewidmet und erfreut sich weit über Dorsten hinaus steigender Beliebtheit als „Location“ für den (hoffentlich) „schönsten Tag im Leben“. Am 7. Dezember stehen jetzt noch zwei Trauungen auf dem Programm, 62 waren es dann insgesamt in diesem Jahr, darunter eine Trauung für eine TV-Serie und – am 9. November – eine Jubiläumstrauung. Mohamed G. und Mariekje S. waren das 250. Paar, das sich in der Maschinenhalle Fürst Leopold das Jawort gegeben hat.

Im kommenden Jahr wird es dann auch die erste Trauung an einem Sonntag in der Maschinenhalle geben – natürlich so früh, dass der normale Öffnungsbetrieb ab 13 Uhr dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Nach den Trauungen bitten wir die Paare, uns für eine Diaschau auf unserer Homepage Fotos zur Verfügung zu stellen. Diese Diaschau gibt einen kleinen Einblick in die sicher stimmungsvollsten Momente in der Maschinenhalle.