Bergbauverein startet Führungen durch die Zechensiedlung

Zum Frühlingsfest auf dem Brunnenplatz (13. Mai) und der zeitgleich im Duisburger Landschaftspark Nord stattfindenden Messe „StadtTeilleben“, bei der sich mit Unterstützung des Bergbauvereins auch das Projekt Soziale Stadt Hervest präsentieren wird, startet der Bergbauverein sein Angebot regelmäßiger fachkundiger Führungen durch die Zechensiedlung Fürst Leopold. Am 13. Mai finden diese Führungen ab 15.15 und 16.30 Uhr statt und enden nach etwa einstündigem Rundgang in der denkmalgeschützten Maschinenhalle.

Wie lebte es sich „damals“ in der zwischen 1912 und 1920 gebauten Zechensiedlung, wie lebt es sich heute dort? Bei den Führungen geht es nicht nur um die Baugeschichte der Siedlung, die 1984 nach dem Gestaltungskonzept des Dorstener Architekten Prof. Manfred Ludes saniert wurde, sondern nicht zuletzt auch um die Sozialgeschichte dieser Siedlung, die gebaut wurde, um Arbeitskräfte für die Zeche Fürst Leopold nach Dorsten zu locken und durch die Attraktivität der Siedlung langfristig an die Schachtanlage zu binden.

Dabei möchte der Bergbauverein die Bewohner der Siedlung nicht durch Teilnehmer an den Führungen „besichtigen lassen“, sondern möglichst aktiv beteiligen. Wer hat Anekdoten zu erzählen? Wie sah das Spielzeug aus, mit dem sich die Kinder auf den Straßen in der Siedlung vergnügten? Wer hat noch alte Fotos zum Beispiel vom Waschtag oder von der „Bergmannskuh“ im Garten hinter dem Haus? Wie hat sich der Speiseplan der Siedlung über die Jahrzehn-te verändert? – Fragen über Fragen, die letztlich nur von den Bewohnern der Siedlung selbst beantwortet werden können.

Eine Vorpremiere zu den Führungen am 13. Mai und dann später regelmäßigen Führungen gab es am Sonntag (8. Mai) mit dem Besuch einer Radlergruppe der Evangelischen Erwachsen- enbildung Dortmund. Über das Stadtteilbüro hatte die Gruppe um eine Führung gebeten und kurz entschlossen stellte sich Rainer Schöneweiss (im Bild ganz links)  zur Verfügung.

Die zehn Radtouristen – sie waren unterwegs von der Lippequelle bis zur Lippemündung – zeigten sich begeistert von “einer der schönsten Zechensiedlungen des Ruhrgebietes”, auch wenn an diesem Sonntag eine Besichti- gung von Maschinenhalle und Dampfmaschinen noch nicht möglich war.

Regio-Guide Rainer Schöneweiss konnte selbstverständlich auch die Fragen der Gruppe zu Tisa von der Schulenburg beantworten und begleitete die Gruppe auf ihrer Weiterfahrt nach Wesel noch durch die Stadt, vorbei am Kohlebrocken im Kubus am Recklinghäuser Tor, am Tisa-Gärtchen bis hin schließlich zur Kohlensteele am Bootshaus des Ruderclubs, dem alten Standort des historischen Kohlhauses.

Zechensiedlungen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte  Dorsten lediglich 5000 Einwohnern.  Um die Fluktation im Bergbau zu verringern und einen möglichst festen Arbeiterstamm an die Zeche zu binden, wurden, wie auch andernorts im Ruhrgebiet, Bergarbeitersiedlungen gebaut. Mit heimischen Arbeitern  konnte  der durch den raschen Wachstum der Zechen „Baldur“ und „Fürst Leopold“ bedingte Bergleutebedarf allein nicht gedeckt werden. Viele Erstbewohner der neuen Zechenwohnungen wurden aus den östlichen Regionen, vor allem aus Oberschlesien, Pommern, Posen und Westpreußen angeworben.

Dorstens neuere Geschichte ähnelt also der des Ruhrgebietes. Die Stadt wird als ein Ort an der Schnittstelle zwischen Ruhrgebiet und Münsterland bezeichnet. Zu einer typischen Bergbaustadt entwickelte sich Dorsten trotz seiner Zechen allerdings nicht. Gleichwohl kann man vor allem in den Stadtteilen Hervest und Holsterhausen Ruhrgebietsatmosphäre erkennen. Gegenüber dem Bergwerk Fürst Leopold befindet sich eine der schönsten Gartenstadtkolonien des Ruhrgebiets. Auch sie wurde nach dem Bergwerksgründer und erblichen Mitglied des Preußischen Herrenhauses Nikolaus Leopold Fürst zu Salm-Salm benannt.

Diaschau Zechensiedlung