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Interreligiöses Gedenken an das Grubenunglück von Soma

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Sie organisierten das Interreligiöse Gedenken für das Grubenunglück für Soma (von links): Ferit Kocatürk, Integrationsbeauftragter der DITIB, Tanja van der Schors, Event-Managerin der Ruhrstadt Stiftung, Gerhard Schute, Vorsitzender des Bergbauvereins, Pater Zakarias von St. Josef Hervest, Muhittin Karatepe, Imam der Muslimischen Gemeinde, Michael Laage, Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Hervest-Wulfen.

Eine Art von Sechswochenamt auf Fürst Leopold, ein Gebet als Gedenken an die Opfer und die Familien nach dem Grubenunglück im türkischen Soma – als Pater Zakarias über diese Idee mit seinem protestantischen Amtsbruder Michael Laage und dem muslimischen Imam Muhittin Karatepe sprach, waren beide begeistert, zumal es auch bei den Muslimen einen Ritus 40 Tage nach einer Beerdigung gibt, nämlich das von Gebeten begleitete Totenmahl. Das Trio verständigte sich schnell auf ein Interreligiöses Gedenken, das am 22. Juni um 15 Uhr auf Fürst Leopold stattfinden soll.

Der Bergbauverein, die Ruhrstadt Stiftung und die Stadtverwaltung sagten sofort tatkräftige Unterstützung zu, so dass ein Vorbereitungstreffen reichte, um die organisatorischen Details festzulegen.

Das Grubenunglück von Soma: Ausgerechnet während des Schichtwechsels kam es am 13. Mai in der Braunkohlezeche von Soma zu einem Grubenbrand. 787 Bergleute waren zu diesem Zeitpunkt unter Tage. 486 konnten sich selbst retten oder wurden von der Grubenwehr gerettet, 85 von ihnen wurden zum Teil schwer verletzt. Als am 17. Mai die Sucharbeiten eingestellt wurden, waren 301 Bergleute tot geborgen worden, die meisten von ihnen Opfer tödlicher Kohlenmonoxidvergiftungen. Während kurz nach dem Unglück eine Explosion in einer Trafostation als Ursache für den Brand benannt wurde, geht die Staatsanwaltschaft inzwischen eher von einer Selbstentzündung der Kohle aus. So oder so: Die Sicherheitsvorkehrungen auf der Zeche waren schon im Vorfeld des Unglücks kritisiert worden. So soll es im Unglücksbereich unter Tage nur einen und auch nur unzureichend gesicherten Fluchtraum gegeben haben. Allein aus diesem Raum wurden über 50 tote Kumpel geborgen.

Den Veranstaltern des Interreligiösen Gedenkens ist es aber wichtig, deutlich darauf hinzuweisen, dass es am 22. Juni auf Fürst Leopold nicht um Schuldzuweisungen oder gar eine politische Demonstration gehe, Gebete für die Todesopfer, die Verletzten und die Familien der Bergleute seien das Anliegen, Gebete als Zeichen einer interreligiösen Solidarität.

Das musikalisch umrahmte Gedenken soll am 22. Juni ab 15 Uhr (open air) im Bereich der Platanenallee stattfinden, Ausweichpläne für eine Veranstaltung in geschlossenen Räumen gibt es nicht. Nach einer einleitenden Erinnerung an das Unglück durch den Vorsitzenden des Bergbauvereins, Gerhard Schute, beginnt der Gebetsteil der Veranstaltung.

Zunächst wird der Imam der muslimischen Gemeinde Dorsten, Muhittin Karatepe auf arabisch einen Text aus dem Koran rezitieren, um dann auf türkisch ein Gebet zu sprechen, das von Ferit Kocatürk, dem Integrationsbeauftragten der DITIB, ins Deutsche übersetzt wird. Es folgen dann Gebete und eine Bibellesung von Pater Zakarias von St. Josef, Michael Laage und Günther Krüger, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Hervest-Wulfen. Abgeschlossen wird der Gebetsteil der Veranstaltung durch einen gemeinsam vorgetragenen Friedenswunsch der Geistlichen, für den Muhittin Karatepe einen Text vorbereitet.

Das letzte Wort soll dann der neugewählte Dorstener Bürgermeister mit einigen Gedanken zum Thema Integration haben. Ludwig Küpers, Leiter des Bürgermeisterbüros, hat in Absprache mit dem Amtsinhaber Lambert Lütkenhorst dem neuen Stadtoberhaupt Tobias Stockhoff diesen Termin schon vor der Stichwahl ins Pflichtenbuch geschrieben, obschon der Gewinner der Stichwahl vom 15. Juni erst am Tag nach der Veranstaltung, also am 23. Juni, ins Amt eingeführt werden soll.

Bei den Freitagsgebeten in der Moschee sowie in den Messen und Gottesdiensten in den christlichen Kirchen soll für die Teilnahme an der Veranstaltung geworben werden, die nach der gemeinsamen Überzeugung der Geistlichen auch über den Tag hinaus für Dorsten ein wichtiges Signal der Solidarität und Integrationsbereitschaft setzen kann.