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Die Vereinsgeschichte im Zeitraffer

(c) HagemannWolfgang TroschAxel SteinauGeschäftsführer: Wolfgang Trosch

Bild von der Gründungsveranstaltung des Vereins im Dezember 2003.

Im Dezember 2003 gründeten 20 engagierte Dorstener Bürgerinnen und Bürger den Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte Dorsten. Der Verein sollte sich, so das engagierte Ziel, für den Erhalt des bergbau- und industriegeschichtlichen Gebäudeensembles des Bergwerks Fürst Leopold einsetzen: “Durch die Erhaltung, Nutzung und Umnutzung der Gebäude, sowie der Erschließung und Einbindung des Geländes soll eine breite Öffentlichkeit Zugang zu der „gebauten" Geschichte der Schachtanlage Fürst Leopold erhalten.”

Schriftlich festgehalten wurde: “Insbesondere will sich der neu gegründete Verein um die Platanen-Allee, die beiden Torhäuser, die Lohn- und Lichthalle, die Schwarz-Weiß-Kaue, das Werkstattgebäude und die Maschinenhalle mit den beiden bis heute betriebsfähigen dampfbetriebenen Fördermaschinen kümmern.”

Ein wichtiges Anliegen sei es auch, die benachbarte Zechensiedlung, die Aufarbeitung der Dorstener Industriegeschichte sowie die Sicherung des sozialgeschichtlichen Erbes aller Dorstener Zechen in die Vereinsarbeit zu integrieren.

Der Hintergrund für dieses Engagement: Mit dem 20. Jahrhundert kam der Bergbau nach Dorsten. 1911 konnte auf Baldur die erste Kohle gefördert werden, ab 1913 wurde auch auf der Nachbarzeche Fürst Leopold wirtschaftlich Kohle abgebaut. Der Teufbeginn für die dritte Zeche im heutigen Dorsten gab 1958 Anlass für die Planung der „Neuen Stadt Wulfen“. 1982 wurden die Zechen Fürst Leopold/Baldur und Wulfen zu einer Verbundanlage zusammengelegt, 1998 erfolgte die Eingliederung in das Bergwerk Lippe und  2001 die Einstellung der Förderung auf Fürst Leopold im Stadtteil Hervest. 2008 wurde das Bergwerk endgültig stillgelegt.

Neun der einst 52 übertägigen Gebäude der Zeche Fürst Leopold blieben erhalten und stehen heute unter Denkmalschutz, darunter die Maschinenhalle mit den denkmalgeschützten Dampffördermaschinen. Maschinenhalle und Maschinen befinden sich im Eigentum der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.

Als Mieter der Maschinenhalle betreibt der Bergbauverein jetzt dort ein Informations- und Begegnungszentrum, das sich zeitgemäß mit der Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte der Stadt Dorsten auseinandersetzt. Die Maschinenhalle soll aber auch als attraktiver Veranstaltungsort mindestens regionale Bedeutung erhalten.

Der Weg dahin war arbeitsreich und begann im Juli 2008 unmittelbar nach der Außerbetriebnahme der Dampfmaschinen an Schacht 2 von Fürst Leopold. Die wechselnden Besitzer, zunächst die RAG, dann die RAG Montan und dann die Dorstener Tempelmann Gruppe sahen es nicht ungern, dass sich der Verein um die Maschinenhalle und die Maschinen kümmerte - und als 2010 die Tempelmann-Gruppe die Maschinenhalle zurückgab an die RAG war der Weg frei für das Engegament der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, die sich mit dem Bewusstsein, im Bergbauverein einen starken Partner vor Ort zu haben, entschloss, die Maschinenhalle und mit ihr die Maschinen als weiteren Standort ins Eigentum zu übernehmen.

Das vom Verein in Abstimmung mit der Stadt Dorsten und der Stiftung Industriedenkmalpflege aufgestellte Nutzungskonzept überzeugte die zuständigen Gremien und so wurden aus dem Topf Soziale Stadt Hervest insgesamt 750.000 € für die Umrüstung der Maschinenhalle vom Industriegebäude zum öffentlichen Veranstaltungsgebäude bewilligt. Stand heute (Ende April 2015): Die Bauarbeiten sind fast angeschlossen und der Verein hat bei den Eigenleistungen von rd. 75.000 €, zu denen er sich verpflichtet hat, eine Punktlandung hingelegt.

Parallel dazu wurde auch noch das Projekt “Dynamisierung der Dampfmaschine” realisiert - dank finanzieller Hilfe (117.000 €) der NRW-Stiftung und viel Ingenieurleistung des Vereins wird die historische Dampfmaschine von 1912 mittels eines Reibradantriebs jetzt wieder bewegt.

Aktuell hat der Verein rund 280 Mitglieder. Darunter auch viele ehemalige Belegschaftsmitglieder, aber der Verein ist ausdrücklich kein „Fürst Leopold Gedächtnis-Club“. Er profitiert in seiner Arbeit ganz erheblich von der Tatsache, dass er thematisch  und auch personell erheblich breiter aufgestellt ist.

Vom Vorstand koordinierte Arbeitsgruppen bilden das Rückgrat des Bergbauvereins. Dies sind die Arbeitsgruppen: 
• Dampfmaschine,
• Außerschulischer / Informeller Lernort,
• Ausstellung,
• Führungen,
• Veranstaltungen sowie verschiedene Projektgruppen

Zur Begleitung der Baumaßnahmen in der Maschinenhalle wurde zudem ein Bauausschuss eingerichtet.

Mit der Mitgliederversammlung im März 2014 hat sich der Bergbauverein eine neue Satzung gegeben. Weit deutlicher noch  als in der Satzung aus dem Gründungsjahr wird jetzt betont, dass die Wahrung des bergbaulichen Erbes ein Schwerpunkt des Vereinszwecks ist, gleich wichtig ist aber die „aktive Auseinandersetzung mit der Industrie- und Sozialgeschichte der Stadt Dorsten“.

lUnd ohne dass es in der Satzung so beschrieben wäre, versteht sich der Bergbauverein als Heimatverein im besten Sinne des Wortes. Er ist deshalb auch Mitglied im Heimatbund Herrlichkeit Lembeck und Stadt Dorsten. Der Verein unterhält eine eigene Geschäftsstelle in der Zechensiedlung Fürst Leopold, ist im Internet mit dieser Homepage (www.bergbau-dorsten.de) präsent und veröffentlicht für inzwischen über 500 Abonnenten einen regelmäßigen Newsletter.

Der Verein Im Stadtteil

Die Zeche und die Kolonie Fürst Leopold wurden quasi auf der grünen Wiese abgeteuft bzw. gebaut, also jedenfalls in gebührendem Abstand zum damals noch selbständigen Dorf Hervest (1943 nach Dorsten eingemeindet), das Anfang des 20. Jahrhunderts nur rund 1.000 Einwohner hatte und den Zugewanderten eher skeptisch als freundlich gegenüberstand. Und so wie viele Alt-Dorstener heute noch gerne die Lippe als „Jordan“ zwischen der Altstadt und den Bergbau-Stadtteilen Holsterhausen und Hervest bezeichnen, ist es auch bei der imaginären Grenze zwischen Dorf Hervest und Hervest-Dorsten geblieben.

Der Bergbauverein engagiert sich intensiv, dass es zu mehr Miteinander über diese Grenze hinweg kommt. Auf Initiative des Vereins trafen sich alle Hervester Vereine, Gruppen, Initiativen und Schulen  am „runden Tisch“, um den Weg zu mehr Gemeinsamkeit zu finden. Ein erstes und wichtiges Ergebnis: Gemeinsam versucht man jetzt, Strukturen zu schaffen für ein Nachhaltiges Miteinander.

Der zentrale Brunnenplatz in der Zechensiedlung Fürst Leopold – hier hat der Verein auch seine Geschäftsstelle – ist in den vergangenen Jahren auch durch die Initiativen des Bergbauvereins erheblich belebt worden. Hier wurde 2012 auf Einladung des Vereins als Fest aller Hervester Vereine das Doppeljubiläum „100 Jahre schwarze Dampfmaschine“ und „100 Jahre Zechensiedlung Fürst Leopold“ gefeiert, hier hilft der Bergbauverein besonders dem vom Migrationsreferat der ev. Kirche getragenen Begegnungszentrum bei seinen Veranstaltungen.

Das jüngste Projekt zu mehr Miteinander in der Zechensiedlung: Der Verein hat auf einer rund 650 qm großen Grünfläche, die VivaWest Wohnen GmbH zur Verfügung gestellt hat, einen historischen Interkulturellen Siedlungsgarten angelegt. Dieser Garten soll einerseits an die Bedeutung der Gärten in den ersten etwa 50 Jahren des Bestehens der Zechensiedlung erinnern, andererseits aber auch künftig eine Station bei den Siedlungsführungen und ein Angebot im Außerschulischen Lernort sein. Realisiert wird das Gartenprojekt gemeinsam von deutschen und türkischen Familien aus der Zechensiedlung.

Und das nächste Projekt ist schon in Arbeit: Zur Saisoneröffnung 2016 soll in der Maschinenhalle das Leopold-Regal präsentiert werden, ein schwerlastfähiges Hochregal mit Exponaten aus der Geschichte des Dorstener Bergbaus und besonders der Zeche Fürst Leopold. Dank erneuter Hilfe der NRW-Stiftung (92.000 €) und des Engagements der Stiftung Industriedenkmalpflege steht die Finanzierung, jetzt wird geplant und nach der Saison aufgebaut - dieses Regal soll dem Standort Fürst Leopold in seiner besonderen Form der Ausstellungsarchitektur ein Alleinstellungsmerkmal und entsprechenden mindestens regionalen Zulauf gewährleisten.