Banner VBISG_Dorsten_weiss_grau

 

Dynamisierung der Dampfmaschine - Erfolgreicher Probelauf am 9. Mai 2014

Dyna_01_(c)_wm

Nichts knackt und nichts knirscht - kaum lauter als eine Nähmaschine drehen und bewegen sich die tonnenschweren Maschinenteile, angetrieben von vier Reibrädern am Fuß der Köpescheibe. Das ist das “Dankeschön” der historischen Dampfmaschine für die vielen tausend Arbeitsstunden, die unsere Arbeitsgruppe Dampfmaschine seit 2008 in das Industriedenkmal investiert hat.

Regelmäßig war die Köpescheibe mit einem Seilzug bewegt worden, damit in den Lagern und im Innenleben der Maschine nichts verharzt, regelmäßig war die Maschine abgeschmiert, für den Winter konserviert und im Frühjahr wieder “geweckt” worden, jetzt geht sie ihrem zweiten Frühling als Schauobjekt entgegen. Eine von Reibrädern angetriebene Dampfmaschine, wie es sie in ganz Deutschland in dieser Größe nicht noch einmal gibt.

Dyna_04_(c)_gs

Die Mechaniker von GTA Hamminkeln, von denen die Aggregate geliefert und eingebaut wurden, werden noch einige Zeit zu tun haben, um die komplexe Technik so einzustellen, dass die Maschine künftig über den historischen Arbeitsplatz des Fördermaschinisten gefahren werden kann.

Dyna_05_(c)_gs  Dyna_07_(c)_gs   Dyna_03_(c)_wm

Nach extrem langen Arbeitsschichten wartet Ulrich Wilke (Bild links), Leiter der Arbeitsgruppe Dampfmaschine, ziemlich erledigt, aber rundum zufrieden am Fuß der Köpescheibe auf den zweiten Probelauf. - Das ist eines der vier Reibräder (Bild Mitte), mit denen die Köpescheibe (Durchmesser 7.50 Meter) angetrieben wird. So kann dann eine Seilfahrt mit zwei Meter je Sekunde simuliert werden. In Betriebszeiten wurde die Personenseilfahrt mit acht Meter je Sekunde durchgeführt, Material wurde mit bis zu 14 Meter je Sekunde im Schacht 2 transportiert. - Vorstandsmitglied Rainer Poppek (Bild rechts) verpasste zwar den großen Moment, aber er hatte ohnehin keinen Zweifel, dass alles klappen würde - und den Sekt zum Anstoßen mit Pappbechern im Rucksack.

Dyna_02_(c)_wm

Fachsimpeln am Rande des Geschehens. Von links: Gerhard Schute (Vereinsvorsitzender), Ulrich Wilke (stellvertr. Vorsitzender), Thorsten Hüßon (GTA-Techniker) und Martin Hagemann (Vorstandsmitglied.

Dem erfolgreichen Probelauf am Freitag werden noch viele Arbeitstage bis zur endgültigen Inbetriebnahme und vor allen Dingen bis zum Abschluss aller Bauarbeiten in der Maschinenhalle folgen. Aber auf dem Weg dahin wurde am Freitag ein ganz wichtiger Meilenstein gesetzt. “Allen, die dazu beigetragen ein riesiges Dankeschön”, so der Vereinsvorsitzende Gerhard Schute am Freitag in der Halle. Es werde natürlich noch ein angemessenes Fest mit erster öffentlicher Vorführung des Reibradantriebs geben, aber es sei schon jetzt allen vereinsexternen Helfern ausdrücklich zu danken, nämlich der NRW-Stiftung, ohne deren Zuschuss (117.000 €) das ganze Projekt nicht vorstellbar gewesen sei, der Stiftung Industriedenkmalpflege für viel Hilfe mit Rat und Tat, der Ruhrkohle AG für die unbürokratische nachbarschaftliche Unterstützung über die künftige Fürst Leopold-Allee hinweg, die zwischen Wasserhaltung (Schacht 2) und Maschinenhalle liegen wird, und last but not least der Firma GTA Hamminkeln für eine - und das ist kein Wortwitz wg. Reibradantrieb - absolut reibungslose und prächtige Zusammenarbeit.

Am 13. Mai erfolgte erfolgreich die technische Abnahme.

 (Das Video öffnet sich mit Klick auf die Kamera)

 

So berichtete die Logo_Dorstener_Zeitung

 

 


 

Dynamisierung der Dampfmaschine - Jetzt beginnt der Endspurt

GTA01_(c)_gs

Mit der Anlieferung der Aggregate von GTA Hamminkeln hat jetzt der Endspurt für das Projekt Dynamisierung der Dampfmaschine begonnen. Am Mittwoch (30.4.) wurden Motor, Pumpe und Reibräder – hier in Augenschein genommen von Martin Hagemann (links) und Detlef Nieswandt – abgeladen, am Montag (5.5.) beginnt dann die Montage.

GTA03_(c)_wm  GTA04_(c)_wm

Alle Einzelteile an ihren Bestimmungsort zu bringen, war teilweise Zentimeterarbeit, aber Michael Halbeisen (links) und Rolf Lämmerhirt an den Kranbahn und Torsten Hüßon am Fuß der Koepescheibe hatten alles bestens im Griff.

GTA02_(c)_gs

Dank nachbarschaftlicher Hilfe mit dem Radlader kam auch das schwerste Einzelteil, die mächtige Hydraulikpumpe, problemslos erst vom Lkw und dann auf zwei “Ameisen” an ihren Bestimmungsort in der Maschinenhalle. Torsten Hüßon (GTA, roter Arbeitsanzug) bedankte sich für die buchstäblich starke Unterstützung

 


 

Ein Schrittmacher für das Herz von Fürst Leopold

Koepescheibe_(c)_Harhaus

Aus eigener Kraft könnte die denkmalgeschützte Dampfmaschine natürlich nicht wieder in Schwung kommen, denn mit der Demontage des ehemaligen Bergwerks sind natürlich auch alle Leitungen von und zum Maschinenhaus gekappt worden. Damit das ehemalige Herz des Bergwerks wieder schlagen kann, bedarf es eines kräftigen Schrittmachers - und den zu installieren fördert die NRW-Stiftung mit einem Zuschuss von bis zu 117.000 €.

Eine wichtige Voraussetzung für diese Förderung: Im Oktober muss das dicke “Förderpaket” von 622.000 € aus Mitteln der Sozialen Stadt für die Herrichtung der  Maschinenhalle zum Informations- und Begegnungszentrum Fürst Leopold bewilligt werden. Das ist keine kleine Hürde, aber alle Beteiligten sind optimistisch, dass das vom Bergbauverein in Abstimmung mit der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur sowie der Stadt Dorsten auf den Weg gebrachte Nutzungskonzept mit all seinen Anlagen den hohen Anforderungen gerecht werden wird.

Noch ein Wort der Erklärung zum “Schrittmacher”: An der gewaltigen Koepescheibe (Bild oben) werden ähnlich wie beim Riesenrad auf der Kirmes von einem starken Elektromotor angetriebene Reibräder montiert. Die sich so wieder drehende Koepescheibe läßt dann auch wieder die Dampfmaschine “laufen”.

(Aus dem Förderantrag an die NRW-Stiftung)

Bedeutung der Dynamisierung der Dampfmaschine
am Standort Fürst Leopold Dorsten
für das geplante Informations- und Begegnungszentrum

Nach dem mit der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur (Eigentümerin der Maschinenhalle) sowie der Stadt Dorsten abgestimmten Konzept für das Informations- und Begegnungszentrum in der ehemaligen und heute denkmalgeschützten Maschinenhalle Fürst Leopold Dorsten soll die Maschinenhalle und mit ihr die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Zwillingsdampffördermaschine von 1912 zwar auch museale Bedeutung haben im Sinne von „Gedächtnis der Stadt Dorsten“, vordergründig ist aber nach dem Konzept geplant, diesen Standort als Außerschulischen Lernort und als neuen attraktiven Veranstaltungsort der Stadt Dorsten von mindestens regionaler Bedeutung zu nutzen.

Aber auch schon für die museale Nutzung ist die Dynamisierung der Dampfmaschine unverzichtbar, weil erst die laufende Maschine, die sich drehende Koepescheibe und der sich dadurch bewegende Teufenanzeiger einen wirklich nachvollziehbaren Eindruck von der Funktion und der Bedeutung dieser Dampfmaschine für den Betrieb des Bergwerks geben.

Schon jetzt wird der Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte Dorsten, der künftig als Mieter der Maschinenhalle Betreiber des Informations-und Begegnungszentrums sein wird, regelmäßig mit Anfragen konfrontiert, ob es denn möglich sei, die laufende Dampfmaschine zu besichtigen. Auch Erfahrungen an den Standorten Consolidation, Nachtigall und Hannover bestätigen, dass die Attraktivität einer musealen Darstellung ganz wesentlich von der Möglichkeit beeinflusst wird, eine historische Maschine dieser Art im Betrieb vorführen zu können.

Aktuell wird das Areal der 2001 stillgelegten Zeche Fürst Leopold von einem privaten Investor (Dorstener Tempelmann Gruppe TeDo GmbH) entwickelt. Dieser Investor geht bei seinem Engagement von jährlich rund 300.000 Besuchern in der „Neuen Mitte Hervest-Dorsten“ aus. Der Bergbauverein sieht es als seine Aufgabe an, diesen Besuchern mit der Maschinenhalle und einer dynamisierten Dampfmaschine den letzten authentischen Schauplatz des Kapitels „Bergbau in Dorsten“  zu erhalten und zu erklären.

Für die Nutzung der Maschinenhalle im Projekt Außerschulischer Lernort („Klassenzimmer an der Dampfmaschine“) ist die Dynamsisierung der Dampfmaschine ein wichtiger Baustein im fächerübergreifenden Ansatz dieses Projektes. Die laufende Maschine ist natürlich für die naturwissenschaftlichen Fächer von zentraler Bedeutung, aber sie kann dann eben auch in Fächern wie Kunst oder auch Geschichte (Industrie- und Sozialgeschichte) wertvolle  emotionalisierende Impulse geben.

Die vom Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte Dorsten angestrebte Art der Dynamisierung der Dampfmaschine (siehe Konzeptstudie) ist
•Stand der Technik,
•optimal auf die am Standort gegebenen Möglichkeiten abgestimmt
•sowie gerade wegen der beabsichtigten Steuerung über den erhaltenen und vom Verein gewarteten historischen Arbeitsplatz des Fördermaschinisten auch im besonderen Maße wirtschaftlich.
•Zudem wird nur so ein authentischer Fahrbetrieb der Maschine ermöglicht.

Die sich aus der Steuerung gegenüber der Konzeptstudie ergebenden Mehrkosten von rd. 13.000 € - diese Steuerung war auch ausdrücklich nicht Bestandteil des Auftrags für diese Studie – wird der Verein zu nahezu 100% durch Eigenleistung aufbringen (Erläuterungen dazu auf der nächsten Seite).

Durch den Einsatz von vielen Tausend Arbeitsstunden hat der Bergbauverein erst die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass auch elf Jahre nach Stilllegung der Schachtanlage überhaupt noch daran gedacht werden kann, die historische Dampfmaschine wieder zu dynamisieren. Durch dieses Engagement wurde die Maschine gängig gehalten. Dabei profitierte der heute rd. 260 Mitglieder zählende Verein von den beruflichen Qualifikationen seiner Mitglieder und ihrer Bereitschaft, sich ehrenamtlich in den Dienst des Industriedenkmals Fürst Leopold zu stellen.

So wie bisher Diplom-Ingenieure, Maschinenschlosser, Elektriker usw. aus den Reihen des Vereins Garanten dafür waren, dass die notwendigen Arbeiten an der Dampfmaschine unter strenger Beachtung des Denkmalschutzes sach- und fachgerecht durchgeführt wurden, ist auch für die Zukunft eine hohe Arbeitsqualität gewährleistet. Natürlich werden die einzelnen Maßnahmen und Arbeitsschritte eng mit der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur abgestimmt.

 

Pleuel_(c)_Harhaus